Strahlende Strümpfe!

Dieses Projekt ist schon ein paar Jahre älter, trotzdem wollte ich es nicht unerwähnt lassen, da man hier gut sieht mit welch einfachen Mitteln man einen Geiger-Müller-Zähler aufbauen kann. Der hier vorgestellte Aufbau ist mit einem Dosimeter nicht zu vergleichen, reicht aber doch aus um eine Strahlungsquelle zuverlässig zu detektieren.

Ein Geigerzähler gehörte neben einem Metallsucher zu den absoluten Must-Haves meiner Jugend. Das geheimnisvolle Knacken des Lautsprechers aufgrund von unsichtbarer Strahlung ist einfach faszinierend. Zu meinem Glück war das Angebot von alten Zählrohren aus russischer Produktion zu Zeiten vor dem Fukushima-Unglück einfach hervorragend. So habe ich mir dann ungefähr zu meinem 16. Geburtstag ein Päckchen aus der Ukraine zukommen lassen, der Inhalt: ein schönes SBM-20 Zählrohr.

Doof ist nur, dass diese Zählrohre eine Gemeinsamkeit haben: sie brauchen eine Spannung im Bereich von 400-600 V um zu funktionieren. Also erst mal das Internet bemüht, vermutlich in einem Forum ist mir dann eine komfortable Lösung gekommen: Die Hochspannungskaskade aus elektrischen Fliegenklatschen. So ein unnötiges Ding lag hier sogar noch irgendwo rum, also gleich mal zerlegt. Damals konnte ich mit der eigentlichen Schaltung noch nicht viel anfangen, heute ist mir der Aufbau aus Sperrwandler und nachgeschaltetem Villard-Verdoppler schon etwas geläufiger.

Normalerweise läuft die Fliegenklatsche mit 3 V und erzeugt dann um die 1200-1500 V sekundär. Mit einer 1,2 V-Zelle liegen am Ausgang rund 500 V an, also genau richtig für das Zählrohr. Über einen 1 MΩ-Widerstand ist das Zählrohr mit einer Darlington-Stufe verbunden; diese treibt den Lautsprecher und die beiden roten LEDs an. Für die Bedienung gibt es einen Schalter und einen Taster an dem Gerät. Mit dem Schalter lässt sich der Ausgang der Kaskade kurzschließen – für Reparaturen oder die Lagerung. Der Taster hingegen versorgt den Sperrwandler mit Strom. Er muss nur kurz gedrückt werden, die Ausgangskapazität kann die Hochspannung für einige Minuten zwischenspeichern.

Als kleines Gimmick sitzen auf der Oberseite noch 7 LEDs. Im Betrieb bewegen sich diese dann wie Elektronen um einen Atomkern. Die Schaltung dafür habe ich mir bei einem Pollin-Bausatz abgeschaut und auf Lochraster nachgebaut. Die beiden aufblitzenden LEDs oben sind eine optische Ergänzung zum Lautsprecher:

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Im Leerlauf knackt und blitzt der Detektor im Schnitt so um die 10-20 Mal/Minute. Das kommt von der gewöhnlichen Hintergrundstrahlung und wird daher auch als Nullrate bezeichnet. Als Testobjekt dient mir ein Glühstrumpf, ebenfalls von Pollin. Je nach Alter haben diese Glühstrümpfe einen mehr- oder weniger hohen Anteil an Thorium, mit dem Zerfallsprodukt Radon. Also gespannt den Geigerzähler der alten Socke nähergebracht, und siehe da… es knackt ganz ordentlich! So ein starkes Ergebnis hätte ich nicht mal erwartet, das wäre m. M. nach fast schon einen Warnhinweis beim Verkauf wert.

Ansonsten gestaltet sich die Suche nach weiteren Strahlungsquellen im Haushalt (glücklicherweise!) als schwierig. Die Leuchtziffern von alten Uhren und Messgeräten erzeugen keinen Ausschlag. Soweit ich weiß handelt es sich dabei aber auch gerne um Tritium, ein AlphaStrahler. Diese Strahlung wird schon vom Glasdeckel aufgehalten, spätestens die Vollmetall-Hülle des SBM-20 kann sie nicht mehr durchdringen. Dafür bräuchte es dann schon ein Glimmer-Fenster oder dergleichen.

Fazit: Eine spaßige Bastelei die weder viel Geld noch Zeit kostet. Inzwischen gibt es auch wieder eine Auswahl von preiswerten Zählrohren am Markt, nach der Fukushima-Katastrophe war das Angebot praktisch leergefegt. Als Beispiel hier eine DDR Röhre.

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