DIY-Wildkamera

Es interessiert mich schon eine ganze Weile, wer sich nachts so alles an den Walnüssen in unserem Garten vergreift, daher war mein Wunsch nach einer Wildkamera groß. Natürlich wäre es die einfachste Möglichkeit eine fertige Kamera zu kaufen, die gibt es für knapp 150€ zu kaufen – Basteln macht dann aber doch noch mehr Spaß.  🙂

Also grundlegend sollte die Kamera eine Bewegung erfassen können und daraufhin die Aufnahme starten. Möglich ist dies entweder mittels Software oder einem Sensor als Bewegungsmelder. Probiert habe ich beides mal, die Ergebnisse dazu will ich euch nun vorstellen:

Variante 1: Rasperry Pi mit Motion Detection Software

In einer Schublade hatte ich einen bis dato unbenutzten Raspberry Pi A+ und einen Zero liegen, zusammen mit dem RPi-Kameramodul. Der RPi A+ kommt von der Leistungsaufnahme an den neueren Pi Zero ran – im Idle liegen beide bei 0,4 W. Bei einer Eingangsspannung von 5 V also ein Strom von gerade mal 80 mA. Wichtig sind diese Werte vor allem wenn die Kamera auch mal abseits vom Stromnetz betrieben werden soll – angedacht ist die Energieversorgung mittels USB-Powerbank oder LiPo-Akku (in Kombination mit einem Tiefentladeschutz).

Ansonsten unterscheiden sich die beiden Modelle jedoch in der Handhabung – der A+ verfügt über einen gewöhnlichen USB-Port, einen normalen HDMI-Port und den original-großen Kameraanschluss (CSI – Camera Serial Interface).

IMG_9718.jpg

Beim Zero hingegen wurde alles zugunsten der Größe des Boards eingespart – das erfordert praktisch für alles erst mal einen Adapter. Daher darf der fürs erste in der Bastelkiste bleiben und ich entscheide mich für den A+.

Das tolle am Raspberry ist definitiv die hervorragende Community – so hat es nur ein paar Suchbegriffe benötigt um genau das zu finden was ich wollte:

Motion Tracking am RPi – Jan Karres

Also erst mal Raspbian aufgesetzt (Tutorials gibt es dafür reichlich!) und der verlinkten Anleitung gefolgt. Klappt auch alles so wie beschrieben, der Pi ist damit startklar.

Damit das ganze nicht irgendwo wild rumbaumeln muss hab‘ ich es noch in ein Gehäuse verfrachtet:

img_9714

An sich funktioniert das jetzt schon ganz ordentlich, nur bei Nacht ist’s halt mau. Dem wollte ich nachhelfen, indem zur Ausleuchtung der Aufnahme noch eine High Power-LED im infraroten Spektrum zugeschalten wird. Damit das infrarote Licht von der Kamera dann aber auch aufgenommen werden kann, müsste der vom Werk aus installierte IR-Filter entfernt werden. Bei dem Pi Kamera-Modul ist der allerdings unglücklicherweise angeklebt – beim Entfernen riskiert man die Zerstörung des Sensors.

Variante 2: Action-Cam mit PIR-Sensor

Daher hab ich mich für einen zweiten Aufbau entschieden. Nun ist eine (vom Einsatz auf dem Kopter schon leicht demolierte) SJ4000 Action-Cam für die Aufnahmen zuständig.

img_9726

Man beachte den ulkigen Buchstabendreher auf der Platine vom Einschaltknopf – „PWOER“  😀

img_9726

Die gibt es auch günstig über eBay als B-Ware und hat im Allgemeinen ein recht gutes Bild. Toll im Vergleich zur Raspberry-Kamera ist jedoch, dass sich hier der Infrarotfilter bedeutend einfacher entfernen lässt – das habe ich dann auch getan und habe jetzt eine Kamera die praktisch immer ein zart-rosa Bild liefert.

vlcsnap-2016-11-07-22h06m36s113

Die Bewegungserkennung übernimmt jetzt ein HC-SR501-Modul, der arbeitet nach dem PIR-Prinzip (Pyroelectric Infrared). Bei erkannter Bewegung gibt er an seinem Ausgang für eine einstellbare Zeit ein HIGH-Signal aus. Mit einem Pegel von 3,3 V lässt sich damit ein Logic-Level MOSFET ansteuern. Dieser versorgt einen Tiefsetzsteller und eine Konstantstromquelle. Über den Tiefsetzsteller werden die 5 V für die Action-Cam bereitgestellt, und die Konstantstromquelle speist eine 1 W-Infrarot-LED.

img_9724

Die SJ4000 muss abschließend noch auf den Dashcam-Modus eingestellt werden, das sorgt dann dafür, dass sie bei Anliegen der 5 V beginnt aufzunehmen – und nach wenigen Sekunden, wenn der Bewegungsmelder seinen Ausgang wieder auf LOW zieht, der MOSFET dadurch sperrt und der Tiefsetzsteller keine 5 V mehr ausgeben kann wieder aufhört mit der Aufnahme und in den Standby geht.

Ganz so kompakt wie der Aufbau mit dem Raspberry fällt die neue Variante nicht mehr aus, trotzdem passt alles noch großzügig in eine Verteilerdose:

img_9727

Bei Gelegenheit muss jetzt nur noch der Deckel der Verteilerdose bearbeitet werden (Löcher für die Kamera und den Sensor bohren) und die Wildkamera ist betriebsbereit. Eventuell entstandene Tieraufnahmen durch die Kamera werden hier dann noch nachgetragen.

Advertisements